Die Libellen im Technologiepark Ostfalen

Im Technologiepark gibt es mehrere Gewässer, die als Lebensraum für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten von Bedeutung sind. Um einen Überblick über das Arteninventar zu bekommen, wurde 2019 mit finanzieller Unterstützung von LOTTO Sachsen-Anhalt eine Bestandsaufnahme (Kartierung) der Libellen durchgeführt. Dazu wurden zwischen Mitte April und Mitte September verschiedene Gewässerabschnitte entlang der Kleinen Sülze und des Telzgrabens (Fließgewässer) sowie des Steinbruchs und kleinerer Wiesentümpel (Stillgewässer) wöchentlich untersucht. Insgesamt konnten im Projektgebiet 30 verschiedene Libellenarten erfasst werden, darunter auch einige Arten, die in ganz Sachsen-Anhalt selten vorkommen.

Libellen verbringen den größten Teil ihres Lebens, von uns unbemerkt, als Larven im Wasser. Dort leben sie meist vor Fressfeinden geschützt im Bodenschlamm eingegraben oder gut versteckt zwischen Wasserpflanzen, wo sie Jagd auf andere Kleinlebewesen machen. Die Flugzeiten der geschlechtsreifen Tiere sind je nach Art unterschiedlich lang und dienen ausschließlich der Partnersuche, Paarung und Eiablage, um den Fortbestand der Art zu sichern.

Während dieser Lebensphase lassen sich insbesondere die farbenfrohen Männchen gut an besonnten Uferabschnitten beobachten, wo sie nach Weibchen suchend stundenlang patroullieren und ihre Reviere gegen Konkurrenten verteidigen. Um ihren hohen Energiebedarf zu decken, sind Libellen auf wärmebegünstigte und strukturreiche Biotope im Umkreis der Gewässer angewiesen, in denen sie Jagd auf andere Insekten machen können.

Ein Großteil der im Technologiepark heimischen Libellenarten besiedelt den Steinbruch im nordöstlichen Teil der Parkanlage, welcher während der Sommermonate von Parkbesuchern und deren Hunden als Badesee genutzt wird.

Entlang der Kleinen Sülze und des Telzgrabens kommen dagegen hauptsächlich Arten vor, die langsam fließende Bäche und Gräben besiedeln. Andere Arten wiederum bevorzugen flache Tümpel, in denen das Wasser von der Sonne schnell erwärmt wird.

Der vollständige Projektbericht kann nach seiner Fertigstellung beim NABU Barleben angefordert werden (voraussichtlicher Termin: März 2020).

Durch die Freizeitnutzung des ehemaligen Steinbruchs existieren viele offen gehaltene Uferzonen, aber auch für Libellen bedeutsame Bereiche aus Ufergehölzen, dichten Schilfgürteln, Totholz und einer vielfältigen Unterwasservegetation.
Foto: Susen Schiedewitz

 

An den schilfbestandenen Uferzonen des Steinbruchs sitzen besonders häufig Vertreter der Segellibellen auf vertrockneten Ästen und Pflanzenstängeln mit Blick in Richtung Wasserfläche. Die leuchtend rote Feuerlibelle (Crocothemis erythraea, li.) kommt ursprünglich aus Afrika. Sie zählt zu den Gewinnern der Klimaerwärmung und ist mittlerweile häufig in unseren Breiten anzutreffen. Die wärmeliebenden Große Blaupfeile (Orthetrum cancellatum, re.) profitieren von den offen gehaltenen

Badestellen am Nordufer des Steinbruchs, wo sie häufig auf den sandigen Rohböden sitzen, um sich aufzuwärmen.
Foto: Gertraud Rehberg

 

Gemeine Becherjungfern (Enallagma cyathigerum) besiedeln stehende Gewässer mit großen Freiwasserflächen und sind im TPO besonders zahlreich innerhalb der sonnigen Vegetationsstrukturen am Ostufer des Steinbruchs zu finden.
Foto: Susen Schiedewitz

 

Kleine Königslibellen (Anax parthenope) machen am Steinbruch ihrem Namen alle Ehre. Unermüdlich kreisen die imposanten Tiere während der Sommermonate über den freien Wasserflächen und verteidigen ihr „Imperium“ vehement gegen andere Libellen.
Foto: Susen Schiedewitz

 

Die Pokaljungfer (Erythromma lindenii), wegen ihrer blauen Augen auch „Saphirauge“ genannt,  kommt landesweit sehr selten vor. Bis 2016 waren in ganz Sachsen-Anhalt nur 5 weitere Fundorte bekannt (MÜLLER et al.2018). Am Steinbruch werden die Ansprüche der Art an klares, sauerstoffreiches Wasser mit auftauchender Unterwasservegetation erfüllt, wodurch sich eine individuenreiche Population entwickeln konnte.
Foto: Susen Schiedewitz

 

Die Kleine Sülze südlich des Biberstaus im Randbereich der B189. Derart offene und besonnte Gewässerabschnitte werden von verschiedenen, z.T. seltenen Libellenarten besiedelt. Von Bedeutung ist dabei die vielfältige Unterwasservegetation, in der sich Libellenlarven vor Fressfeinden geschützt entwickeln können.
Foto: Susen Schiedewitz

 

Die Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens) besiedelt gut besonnte, langsam strömende Fließgewässer mit reichlich Gewässerrandvegetation. Sie gehört damit zu den Charakterarten der Kleinen Sülze, wo sie in Bereichen mit wenig Schilfaufwuchs in hoher Anzahl vorkommt.
Foto: Susen Schiedewitz

 

Der Spitzenfleck (Libellula fulva) gehört ebenfalls zu den Arten, die in Sachsen-Anhalt selten vorkommen. Einzelne Individuen konnten entlang der Kleinen Sülze und am Steinbruch nachgewiesen werden. Die Larven sind während ihrer zweijährigen Entwicklung auf sauerstoffreiches Wasser angewiesen, die flugfähigen Tiere weisen an den Flügelspitzen die namensgebenden dunklen Flecken auf.
Foto: Susen Schiedewitz

 

Helm-Azurjungfern (Coenagrion mercuriale) bei der Paarung am Südufer der Kleinen Sülze. Die Art ist von gemeinschaftlichem Interesse nach Anhang II der FFH-Richtlinie und ist in Sachsen-Anhalt selten. Sie besiedelt schmale, leicht durchströmte und sauerstoffreiche Fließgewässern, die im Winter nicht zufrieren. Voraussetzung ist außerdem das Vorhandensein von ausreichend Gewässerrandvegetation und wintergrünen Unterwasserpflanzen.
Foto: Susen Schiedewitz

 

Große Heidelibelle (Sympetrum striolatum) sind häufig auch fernab der Gewässer an trocken-warmen, windgeschützten Stellen anzutreffen. Bereiche mit alten, vertrockneten Pflanzenbeständen werden von Heidelibellen häufig als Ansitzwarten genutzt, von denen aus sie ihr Territorium überblicken und potentielle Beutetiere erspähen können.
Foto: Susen Schiedewitz

 

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